Osteopathie

 

 

Grundsätzlich bin ich als Arzt der Schulmedizin verpflichtet, erweitere aber meine Diagnostik und meine therapeutischen Maßnahmen um funktionelle ganzheitliche Bereiche.

 

Das Wort Osteopathie ist zusammen gesetzt und leitet sich aus dem Griechischen ab: „osteon“ bedeutet Knochen und „pathos“ Leiden. Die osteopathische Medizin oder osteopathische Behandlung allgemein beschreiben im Bereich der Komplementärmedizin verschiedene Krankheits- und Behandlungskonzepte. In Europa versteht man darunter unterschiedliche Verfahren, die manuell, also mit den bloßen Händen des Behandlers ausgeführt werden.

 

 

Aus rechtlichen Gründen weise ich darauf hin, dass in der Benennung von beispielhaften Diagnosen oder Patientenbeschwerden bzw. veränderten Körperstrukturen selbstverständlich kein Heilversprechen oder die Garantie einer Besserung der genannten krankhaften Zustände abgeleitet werden kann. Für den Bereich der Wirbelsäule, z.B. beim chronischen Schmerzsyndrom der Wirbelsäule, geht die Bundesärztekammer in der Regel von einer Wirksamkeit osteopathischer Behandlungen aus (Dt. Ärzteblatt 2009, S. 2325 ff.). Im Übrigen gibt es bislang keine Studien, die in wissenschaftlicher Hinsicht die Wirkweise der osteopathischen Medizin bei den im weiteren dargestellten Krankheiten nachweisen.

 

 

Die Osteopathie sieht den Mensch als Einheit. Diese Einheit wird aus verschiedenen Perspektiven diagnostiziert und therapiert. Sie besteht im Wesentlichen aus drei Bereichen, die untrennbar miteinander verbunden sind. Jedem Bereich sind bestimmte Teile des Organismus zugeordnet.

 

Ziel ist es, den Körper nach einer entsprechenden Untersuchung, wieder in sein Gleichgewicht zu bringen. Hierbei ist ein wichtiger Denkansatz, den Prozess der körpereigenen Selbstregulation, also die Selbstheilung in Gang zu bringen.

 

 

Körpersysteme

 

Die Osteopathie unterscheidet bei den körperlichen Funktionsstörungen zunächst die jeweiligen Körpersysteme, in denen sie auftreten können:

 

Das parietale System bezeichnet somatische Dysfunktionen, die am Halte-, Stütz- und Bewegungsapparat auftreten. Hierzu zählen die Knochen, die Gelenke, die Muskeln, die Faszien (bindegewebige Muskelhüllen) und die Sehnen.

 

Das viszerale System bezeichnet die inneren Organe und ihre Hüllgewebe sowie die Blut- und Lymphbahnen, auch versorgende Nervensysteme.

 

Das kraniosakrale System bezeichnet Gehirn und Rückenmark mit seiner Weichteil- und Knochenumgebung, deren Bewegungen untereinander sowie deren Beziehung zu anderen Körperarealen, insbesondere zu Wirbelsäule und Becken.

 

Grundsätzlich können somatische Dysfunktionen primär oder sekundär als Kompensation zu anderweitigen Störungen auftreten. In der Analyse und der Behandlung ist das wichtig.

 

 

Osteopathie des Stütz- und Bewegungsapparates (parietales System)

 

Das muskuloskeletale System spielt im Körper eine wichtige Rolle, da in ihm wesentliche Teile der anderen Systeme neurophysiologisch verschaltet (integriert) werden. Somit wird der Untersuchung und Behandlung des Skelettsystems und seiner somatischen Dysfunktionen ein großer Raum eingeräumt. Der Osteopath untersucht abschnittweise und sucht die somatischen Dysfunktionen auf und stuft sie in ihrer Wertigkeit ein. Sie können primär, sekundär oder kompensatorisch sein. Auch wird versucht Komplexe von Dysfunktionen oder Traglinien der Kraftübertragung zu erkennen.

 

Nach einer Untersuchung werden einzelne Techniken oder Kombinationen von Techniken, z.B. Counterstrain, Muskel-Energie, myofasziale Entspannung/Lockerung, Facilitated Positional Release oder Still-Techniken angewendet, um den Körper in sein Gleichgewicht zu bringen.

 

Viszerale Osteopathie (innere Organe)

 

Ein weiterer großer Bereich, in dem körperliche Funktionsstörungen entstehen, ist der Brust- und Bauchraum mit seinen Organen, Blut- und Lymphgefäßen. Aus unserer embryonalen Entwicklungsgeschichte heraus gibt es vielfältige bindegewebige Verbindungen der Organe untereinander: Bänder/Ligamente, die ehemalige Nabelschnur, das Mesenterium. So können somatische Dysfunktionen der Wirbelsäule auf Organe Auswirkungen haben und umgekehrt, sog. viszero-somatische Reflexe.

 

Ziel ist hier die Verbesserung von Motilität und Mobilität der inneren Organe, die durch stumpfe Gewalteinwirkung (Sturz) oder eine Operation oder nach unzureichenden Kompensationsversuchen des Körpers in eine Dysfunktion geraten sind. Viszerale Techniken werden angewandt, um diese Beeinträchtigungen aufzulösen. Hierbei werden Techniken für Zwerchfell, Beckenboden und einzelne Organe und Nerven oder Nervengeflechte, sowie Techniken zur Beeinflussung lymphatischer Bahnen unterschieden.

 

Kraniosakrale Osteopathie (Zentralnervensystem)

 

Der dritte Bereich der Osteopathie dient der Betrachtung des Zusammenspiels des zentralen Nervensystems in seinem Hüllgewebe, den Hirnhäuten, dem Schädel und der Wirbelsäule bis zum Becken. Aus osteopathischer Sicht ist dieses kraniosakrale System eine funktionelle Einheit und stellt eines der wichtigsten Regulationssysteme des Körpers dar. Störungen können im Zusammenspiel des Muskelzuges auf die zusammengefügten Schädelknochen entstehen (z.B. Dysfunktionen der Kau-, Kiefer- oder Nackenmuskulatur) oder durch einen gestörten Fluß des umgebenden Hirnwassers (Liquor).

 

Nach Untersuchung des Schädels und des Kreuzbeins erfolgt die Therapie mit dem Ziel der Normalisierung des kraniosakralen Systems. Neben Techniken, bei denen der kraniosakrale Rhythmus (cranial rhythmic impulse, CRI) verstärkt und verbessert wird, kommen Techniken zum Einsatz, bei denen Muskelspannungen gesenkt und das physiologische Gelenkspiel der Gesichts- und Schädelknochen wiederhergestellt werden. Dies führt zu Auswirkungen im gesamten Organismus.

 

Entsprechend der EROP-Deklaration 2011